Hohberghorn von der Domhütte
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Es ist gerade mal 2 Berichte her, da schrieb ich noch etwas von ollen Kamellen, über die ich eigentlich nicht mehr berichten wollte. Und was mache ich? Schreibe brav einen Bericht nach dem anderen über olle Kamellen.
Sorry, wem`s zu langweilig ist, schnell weiter klicken.. wobei, interessant könnte vielleicht noch das eine oder andere Foto sein, denn ich glaube, dass man vielleicht den Gletscherrückgang (z.B. an der Domhütte) im Vergleich mit heutigen Bildern gut erkennen kann.
Es ist nicht mehr lange hin, da jährt sich dieser Bergurlaub mittlerweile zum 25. Mal.. wie passend, findet der Schreiber, zum kleinen Jubiläum ein paar Zeilen in die Tastatur zu hauen.
Damals benötigten mein Freund Reinhard und der immer noch nicht mit Schweizhut herumlaufende, dafür aber noch recht junge Mann, Akklimatisation und vor allen Dingen auch Kondition, sollten doch ein paar Tage später Flachlandhausener Bergschuhe auf dem Gipfel des Weisshornes stehen... und diese so llten nicht von irgendjemanden im Rucksack herauf getragen werden, sondern mit eigener Kraft am Fuße des eben noch genannten Mannes!
Ursprünglich wollten wir uns Kraft und "Schmackes" in der Silvretta aneignen, aber irgendwie schien der Abteilungsleiter für Wetterangelegenheiten gerade mal keine Zeit für uns zu haben, so dass das Silvretta-Wetta "etwas" zu wünschen übrig ließ. Nach Dreiländerspitze und Fluchthorn war`s vorbei mit unserer Einlauferei und bevor wir nun nasebohrend auf besseres Wetter hätten warten müssen, nutzten wir die Wartezeit um ins Wallis zu wechseln.
Und siehe da, anscheinend machte der Wetterchef gerade dort Urlaub, warum sonst schien im Mattertal die Sonne? Klar, auch Wetterchefs wollen Sonnenschein im Urlaub! Da wir aber nicht einfach chefmäßig Säckchen schaukelnd die Sonne auf den nicht ganz flachen Flachlandhausener Bauch scheinen lassen wollten, machten wir uns gleich nach der Ankunft auf zur Täschhütte, um mit dem Alphubel einen weiteren 4000er auf unser "Konto" gut schreiben lassen zu können. "Smooth" eine Sache angehen, war damals irgendwie noch nicht in unseren Köpfen
So, nun aber zur eigentlichen Tour: Der Weg von Randa hinauf zur Domhütte ist bekanntermaßen nicht der Kürzeste. Die Höhenmeter läppern sich und man darf so manche Stündchen addieren, bis endlich die Hütte in Sichtweite kommt.
Ich hab es an anderer Stelle schon mal geschrieben: Hüttenwege und ich sind nicht die besten Kumpels. Und gerade dieses Exemplar von Hüttenweg ist besonders störrisch. Nicht nur, dass er sich wie ein Kaugummi in die Länge zieht, nein, mit knapp 1500 Höhenmeter zieht er sich dazu auch noch ziemlich in die Höhe. So schritt der junge Mann lamentierend den Wanderweg hinauf, warum denn Reinhard diesen besch.........(die folgenden Worte haben ich im Nachhinein dann doch besser gelöscht)...................................................................................................... (es waren viele Worte, die gelöscht werden mußten).........!! ...........Weg ausgesucht hatte. Und überhaupt, warum wir nach dem Alphubel direkt die näxte Hochtour angingen...
Aber auch das schreibe ich hier und heute nicht das erste mal:
Man kann nicht immer nur die Erdbeeren ernten...
will sagen,:
wer den Hüttenweg nicht ehrt, darf abends auch nicht 3 x seinen Teller neu befüllen...
oder so ähnlich.
Obwohl der Hüttenweg und ich auch damals keine neuen Freunde wurden, kam der schwer bepackte Herr nach mehreren Pausen bis zur Domhütte.... und befüllte abends 3 x seinen Teller :-))
Wer hoch hinauf will, muss früh aus den Federn, der erfahrene Hochtourengeher kennt diese Gleichung und auch bis in die Tiefen von Flachlandhausen ist diese "höhere" Mathematik vorgedrungen. So sah man den Jungspund und Reinhard im finsteren "Darkout" noch etwas ungelenk in Richtung Festigletscher stolpern. Ist man aber erstmal eine Zeitlang auf den Beinen, wird das Steigen deutlich angenehmer. Alle Muskelpartien, Sehnen und was da sonst noch so kreucht und fleucht, sind dann fast geschmeidig und elastisch. Wir stiegen also fast mit einem Hauch von Eleganz hinauf.... naja, ..FAST! Erinnerungen sind halt was Feines.
Das Erreichen des Festijoches durch die unterhalb gelegenen Felsen hatten wir während der Planung dieser Tour als erste ernsthafte Schlüsselstelle erkannt und somit schlug der Puls gleich mal ein paar Takte höher je näher wir dieser Stelle kamen. Doch erstaunlicherweise durchstiegen wir recht zügig... für UNSERE Verhältnisse.. diese Stelle und erreichten ohne große Komplikationen das Joch. Entschnaufen war nun angesagt, und konnte sogar von Pausenverächtern auch als wohlverdiente Pause anerkannt werden.
Selbstverständlich waren wir bis hierhin nicht die einzige Seilschaft auf dieser Welt, aber nun wurden die Weichen neu gestellt. Erst zogen die restlichen Seilschaften entweder über den Festigrat oder den Normalweg Richtung Dom, dann wurde die Weiche umgestellt und die kleine flachlandhausener Gemeinschaft nahm den Weg über den Hobärggletscher....... ich glaube, ich hatte damals ein lautes Quietschen der Weiche vernommen ... falls jemand mal zufällig dort oben ist, über ein bissken Öl würde sich die Weiche freuen :-))
Nach der Gletscherquerung kamen wir zu unserer 2. persönlichen Schlüsselstelle, dem Couloir hinauf zum Hohbergjoch. Eine genaue Beschreibung kann ich nach 25 Jahren leider nicht mehr liefern; einen sehr informativen Hinweis gibt es hier im Bericht von kleopatra : http://www.hikr.org/tour/post25206.html
Soweit ich mich erinnere, sind wir damals im eigentlichen Couloir hinauf gestiegen und ich kann auch heute noch behaupten: Nee, war nicht schön!! Brüchig, unangenehm, dafür anstrengend und kraftraubend und seeehr zeitraubend. Wobei zu unserer Verteidigung gesagt werden kann: die ganze Flanke sah nicht besser aus! Also lassen wir die beiden Protagonisten mal bei ihrem Glauben, den richtigen Weg dort hinauf gewählt zu haben. Schulter klopfen war aber trotzdem noch nicht angesagt, als wir endlich das Hohbergjoch erreicht hatten - lediglich eine ausgiebige Pause gönnten wir uns. Ohne Pause wäre es aber auch gar nicht weiter gegangen.
Am Gipfel des Hohberghorns entschieden wir uns, nicht auch das Dürrenhorn noch "mitzunehmen", zu wenig Platz im Rucksack und ein etwas enges Zeitkorsett waren schlagkräftige Argumente, auch mich zu überzeugen. Zurück im Joch ging es nun daran, "unsere" 3. Schlüsselstelle des Tages zu bewältigen. Reinhard hatte im Vorhinein auf meine Frage hin, was mich denn dort erwarten könnte, etwas von "Felsgrat im mittleren Schwierigkeitsgrad" in seinen Bart genuschelt. Da kann die Psyche des empfindsamen WoPo-Seelchens schon mal leicht ins Schwanken geraten, bei der Vorstellung an einem messerscharfen Felsgrat herum zu kraxeln, die Füße zappelnd im Bodenlosen und nur noch die rechten Hand am Fels gehalten... weil die Linke schon kraftlos abgerutscht ... Phantasie, ick hör dir trapsen!!
Aber dann entpuppte sich die ganze Angelegenheit als schönster Abschnitt der kompletten Tour. Relativ kompakter Fels in durchaus auch für den damals noch nicht ganz so routinierten Klettermaxen machbaren Schwierigkeiten. Ich glaube, wir waren selbst am meister erstaunt, wie unproblematisch unsere Seilschaft diesen Gratabschnitt bewältigte.
Kaum am Stecknadel-im-Heuhaufen-Gipfel angelangt, beschäftigten wir uns nach dem obligatorischen Gipfelhandschlag auch schon mit dem letzten Problem dieser Tour, dem Übergang zum Nadelhorn.
Frage 1, Gipfel ja oder nein oder die Gipfelfelsen zum Nadelhorn auslassen und vorher queren? Aber wer sein Leben in Flh fristet, der steht in seinem Leben auch nicht sooo häufig auf einen Gipfel jenseits der magischen Grenze. Also nahmen wir mit, was wir kriegen konnten.
Seitdem steht das Nadelhorn in Flachlandhausen und wird täglich von uns zu Trainingszwecken bestiegen.
Ok, nun sind die Schreibtasten mit mir durch gegangen, und die Phantasie und sämtliche Pferde, die gerade beim Schreiberling im Oberstübchen durch galoppieren. Natürlich steht das Nadelhörnchen immer noch da, wo es immer stand. Sehr zur Freude einer speziellen Flachlandhauserin.
Und wir standen immer noch vor den Gipfelfelsen und fragten uns die Frage 2, ob wir dort überhaupt hinauf kämen?! "Und wenn sie nicht erfroren sind, dann stehen sie heute noch dort und fragen sich".. passt ausnahmsweise mal nicht, denn irgendwie schien dieser Tourentag wie gemacht für Flachhausener Gipfeltraum-Erfüllung. Wenn meine kleine Festplatte im Oberstübchen mir keinen Schabernack spielt, kamen wir auch dort zwar nicht elegant, aber zumindest sehr glücklich zum letzten Gipfel des Tages.
Waren wir bis zum Nadelhorn konditionell recht passabel gestiegen, taten sich beim Abstieg zum Windjoch doch zunehmend leichte Schwächungen mancher Muskelstränge auf. Vielleicht lag es einfach nur an der Müdigkeit, vielleicht war jeder in Gedanken noch bei den vorangegangenen Stunden. Auf jeden Fall stellten wir am Ende des Gletschers, als nur noch der leichte Felsabstieg zur Hütte vor uns lag, fest, dass wir einen hervorragenden Seilsalat fabriziert hatten. Und je länger wir nur halbherzig versuchten dieses "Salätschen" wieder zu lösen, umso mehr verhederte sich das Seil. Anstatt einmal vernünftig mit einem Seilende beginnend das Problem zu lösen, hampelten wir ziemlich unmotiviert irgendwo im nirgendwo des Seilmitte herum.
Dies tat der allgemeinen sowie der persönlichen Harmonie in unserer Seilschaft nicht unbedingt gut. Und so steigerten sich die beiden Protagonisten hinein in eine "lebhafte" Diskussion darüber, wer wann auf das Seil nicht geachtet hatte und wer nun gefälligst dafür Sorge zu tragen hätte, das Seilproblem wieder zu lösen.
Merke: wer zunäxt theoretisch, mit viel Wort und Gestik an ein Problem heran geht, der findet zu Hauf Lösungen... theoretisch.
Nicht nur unsere Gesichter wurden immer länger, auch unsere Schatten, denn die Sonne wechselte in der Zwischenzeit deutlich ihren Stand.
Zuletzt setzte dann doch noch ein wenig der in der Höhe noch nicht ganz verloren gegangene Verstand wieder ein und murrend entwirrten wir unser "Spaghetti" Seil gemeinsam.
Tatsächlich kamen wir dann ohne weitere Komplikationen zu den Mischabelhütten und sogar noch zu unserem wohl verdienten Abendessen (2 Jahre zuvor war uns dies, wegen einer dezenten Verspätung, nicht mehr vergönnt gewesen)
Ein kleiner Nachtrag!
Vielleicht hat sich der eine oder andere aufmerksame Hikr-Leser schon mal gefragt, warum Ich soo häufig aus alten Zeiten berichte. Denn eigentlich sind meine "Tourenberichte" doch mehr Erlebnisbericht und dienen wenig bis gar nicht zur aktuellen Routenfindung.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, das mein Geschreibsel auch ein wenig Eigentherapie beinhaltet bzw. ein hohes Maß an Erinnerungen an meinen Freund Reinhard, die ich mir hier durch bewahre
Besonders bei diesem aktuellen Bericht kamen jede Menge Gedanken auf, haben wir doch das Dürrenhorn an besagten Tage ausgelassen. Wahrscheinlich war es sogar die richtige Entscheidung, aber ungezählte Male habe ich mir später vorgestellt, wir wären doch weiter gegangen.
Möglicherweise wäre es dann nicht zu diesem fatalen Tag am 26. Juli 2003 gekommen! (siehe auch http://www.hikr.org/tour/post23049.html )
Aber leider können wir das Rad selbst der persönlichen Geschichten nicht zurück drehen.
Sorry, wem`s zu langweilig ist, schnell weiter klicken.. wobei, interessant könnte vielleicht noch das eine oder andere Foto sein, denn ich glaube, dass man vielleicht den Gletscherrückgang (z.B. an der Domhütte) im Vergleich mit heutigen Bildern gut erkennen kann.
Es ist nicht mehr lange hin, da jährt sich dieser Bergurlaub mittlerweile zum 25. Mal.. wie passend, findet der Schreiber, zum kleinen Jubiläum ein paar Zeilen in die Tastatur zu hauen.
Damals benötigten mein Freund Reinhard und der immer noch nicht mit Schweizhut herumlaufende, dafür aber noch recht junge Mann, Akklimatisation und vor allen Dingen auch Kondition, sollten doch ein paar Tage später Flachlandhausener Bergschuhe auf dem Gipfel des Weisshornes stehen... und diese so llten nicht von irgendjemanden im Rucksack herauf getragen werden, sondern mit eigener Kraft am Fuße des eben noch genannten Mannes!
Ursprünglich wollten wir uns Kraft und "Schmackes" in der Silvretta aneignen, aber irgendwie schien der Abteilungsleiter für Wetterangelegenheiten gerade mal keine Zeit für uns zu haben, so dass das Silvretta-Wetta "etwas" zu wünschen übrig ließ. Nach Dreiländerspitze und Fluchthorn war`s vorbei mit unserer Einlauferei und bevor wir nun nasebohrend auf besseres Wetter hätten warten müssen, nutzten wir die Wartezeit um ins Wallis zu wechseln.
Und siehe da, anscheinend machte der Wetterchef gerade dort Urlaub, warum sonst schien im Mattertal die Sonne? Klar, auch Wetterchefs wollen Sonnenschein im Urlaub! Da wir aber nicht einfach chefmäßig Säckchen schaukelnd die Sonne auf den nicht ganz flachen Flachlandhausener Bauch scheinen lassen wollten, machten wir uns gleich nach der Ankunft auf zur Täschhütte, um mit dem Alphubel einen weiteren 4000er auf unser "Konto" gut schreiben lassen zu können. "Smooth" eine Sache angehen, war damals irgendwie noch nicht in unseren Köpfen
So, nun aber zur eigentlichen Tour: Der Weg von Randa hinauf zur Domhütte ist bekanntermaßen nicht der Kürzeste. Die Höhenmeter läppern sich und man darf so manche Stündchen addieren, bis endlich die Hütte in Sichtweite kommt.
Ich hab es an anderer Stelle schon mal geschrieben: Hüttenwege und ich sind nicht die besten Kumpels. Und gerade dieses Exemplar von Hüttenweg ist besonders störrisch. Nicht nur, dass er sich wie ein Kaugummi in die Länge zieht, nein, mit knapp 1500 Höhenmeter zieht er sich dazu auch noch ziemlich in die Höhe. So schritt der junge Mann lamentierend den Wanderweg hinauf, warum denn Reinhard diesen besch.........(die folgenden Worte haben ich im Nachhinein dann doch besser gelöscht)...................................................................................................... (es waren viele Worte, die gelöscht werden mußten).........!! ...........Weg ausgesucht hatte. Und überhaupt, warum wir nach dem Alphubel direkt die näxte Hochtour angingen...
Aber auch das schreibe ich hier und heute nicht das erste mal:
Man kann nicht immer nur die Erdbeeren ernten...
will sagen,:
wer den Hüttenweg nicht ehrt, darf abends auch nicht 3 x seinen Teller neu befüllen...
oder so ähnlich.
Obwohl der Hüttenweg und ich auch damals keine neuen Freunde wurden, kam der schwer bepackte Herr nach mehreren Pausen bis zur Domhütte.... und befüllte abends 3 x seinen Teller :-))
Wer hoch hinauf will, muss früh aus den Federn, der erfahrene Hochtourengeher kennt diese Gleichung und auch bis in die Tiefen von Flachlandhausen ist diese "höhere" Mathematik vorgedrungen. So sah man den Jungspund und Reinhard im finsteren "Darkout" noch etwas ungelenk in Richtung Festigletscher stolpern. Ist man aber erstmal eine Zeitlang auf den Beinen, wird das Steigen deutlich angenehmer. Alle Muskelpartien, Sehnen und was da sonst noch so kreucht und fleucht, sind dann fast geschmeidig und elastisch. Wir stiegen also fast mit einem Hauch von Eleganz hinauf.... naja, ..FAST! Erinnerungen sind halt was Feines.
Das Erreichen des Festijoches durch die unterhalb gelegenen Felsen hatten wir während der Planung dieser Tour als erste ernsthafte Schlüsselstelle erkannt und somit schlug der Puls gleich mal ein paar Takte höher je näher wir dieser Stelle kamen. Doch erstaunlicherweise durchstiegen wir recht zügig... für UNSERE Verhältnisse.. diese Stelle und erreichten ohne große Komplikationen das Joch. Entschnaufen war nun angesagt, und konnte sogar von Pausenverächtern auch als wohlverdiente Pause anerkannt werden.
Selbstverständlich waren wir bis hierhin nicht die einzige Seilschaft auf dieser Welt, aber nun wurden die Weichen neu gestellt. Erst zogen die restlichen Seilschaften entweder über den Festigrat oder den Normalweg Richtung Dom, dann wurde die Weiche umgestellt und die kleine flachlandhausener Gemeinschaft nahm den Weg über den Hobärggletscher....... ich glaube, ich hatte damals ein lautes Quietschen der Weiche vernommen ... falls jemand mal zufällig dort oben ist, über ein bissken Öl würde sich die Weiche freuen :-))
Nach der Gletscherquerung kamen wir zu unserer 2. persönlichen Schlüsselstelle, dem Couloir hinauf zum Hohbergjoch. Eine genaue Beschreibung kann ich nach 25 Jahren leider nicht mehr liefern; einen sehr informativen Hinweis gibt es hier im Bericht von kleopatra : http://www.hikr.org/tour/post25206.html
Soweit ich mich erinnere, sind wir damals im eigentlichen Couloir hinauf gestiegen und ich kann auch heute noch behaupten: Nee, war nicht schön!! Brüchig, unangenehm, dafür anstrengend und kraftraubend und seeehr zeitraubend. Wobei zu unserer Verteidigung gesagt werden kann: die ganze Flanke sah nicht besser aus! Also lassen wir die beiden Protagonisten mal bei ihrem Glauben, den richtigen Weg dort hinauf gewählt zu haben. Schulter klopfen war aber trotzdem noch nicht angesagt, als wir endlich das Hohbergjoch erreicht hatten - lediglich eine ausgiebige Pause gönnten wir uns. Ohne Pause wäre es aber auch gar nicht weiter gegangen.
Am Gipfel des Hohberghorns entschieden wir uns, nicht auch das Dürrenhorn noch "mitzunehmen", zu wenig Platz im Rucksack und ein etwas enges Zeitkorsett waren schlagkräftige Argumente, auch mich zu überzeugen. Zurück im Joch ging es nun daran, "unsere" 3. Schlüsselstelle des Tages zu bewältigen. Reinhard hatte im Vorhinein auf meine Frage hin, was mich denn dort erwarten könnte, etwas von "Felsgrat im mittleren Schwierigkeitsgrad" in seinen Bart genuschelt. Da kann die Psyche des empfindsamen WoPo-Seelchens schon mal leicht ins Schwanken geraten, bei der Vorstellung an einem messerscharfen Felsgrat herum zu kraxeln, die Füße zappelnd im Bodenlosen und nur noch die rechten Hand am Fels gehalten... weil die Linke schon kraftlos abgerutscht ... Phantasie, ick hör dir trapsen!!
Aber dann entpuppte sich die ganze Angelegenheit als schönster Abschnitt der kompletten Tour. Relativ kompakter Fels in durchaus auch für den damals noch nicht ganz so routinierten Klettermaxen machbaren Schwierigkeiten. Ich glaube, wir waren selbst am meister erstaunt, wie unproblematisch unsere Seilschaft diesen Gratabschnitt bewältigte.
Kaum am Stecknadel-im-Heuhaufen-Gipfel angelangt, beschäftigten wir uns nach dem obligatorischen Gipfelhandschlag auch schon mit dem letzten Problem dieser Tour, dem Übergang zum Nadelhorn.
Frage 1, Gipfel ja oder nein oder die Gipfelfelsen zum Nadelhorn auslassen und vorher queren? Aber wer sein Leben in Flh fristet, der steht in seinem Leben auch nicht sooo häufig auf einen Gipfel jenseits der magischen Grenze. Also nahmen wir mit, was wir kriegen konnten.
Seitdem steht das Nadelhorn in Flachlandhausen und wird täglich von uns zu Trainingszwecken bestiegen.
Ok, nun sind die Schreibtasten mit mir durch gegangen, und die Phantasie und sämtliche Pferde, die gerade beim Schreiberling im Oberstübchen durch galoppieren. Natürlich steht das Nadelhörnchen immer noch da, wo es immer stand. Sehr zur Freude einer speziellen Flachlandhauserin.
Und wir standen immer noch vor den Gipfelfelsen und fragten uns die Frage 2, ob wir dort überhaupt hinauf kämen?! "Und wenn sie nicht erfroren sind, dann stehen sie heute noch dort und fragen sich".. passt ausnahmsweise mal nicht, denn irgendwie schien dieser Tourentag wie gemacht für Flachhausener Gipfeltraum-Erfüllung. Wenn meine kleine Festplatte im Oberstübchen mir keinen Schabernack spielt, kamen wir auch dort zwar nicht elegant, aber zumindest sehr glücklich zum letzten Gipfel des Tages.
Waren wir bis zum Nadelhorn konditionell recht passabel gestiegen, taten sich beim Abstieg zum Windjoch doch zunehmend leichte Schwächungen mancher Muskelstränge auf. Vielleicht lag es einfach nur an der Müdigkeit, vielleicht war jeder in Gedanken noch bei den vorangegangenen Stunden. Auf jeden Fall stellten wir am Ende des Gletschers, als nur noch der leichte Felsabstieg zur Hütte vor uns lag, fest, dass wir einen hervorragenden Seilsalat fabriziert hatten. Und je länger wir nur halbherzig versuchten dieses "Salätschen" wieder zu lösen, umso mehr verhederte sich das Seil. Anstatt einmal vernünftig mit einem Seilende beginnend das Problem zu lösen, hampelten wir ziemlich unmotiviert irgendwo im nirgendwo des Seilmitte herum.
Dies tat der allgemeinen sowie der persönlichen Harmonie in unserer Seilschaft nicht unbedingt gut. Und so steigerten sich die beiden Protagonisten hinein in eine "lebhafte" Diskussion darüber, wer wann auf das Seil nicht geachtet hatte und wer nun gefälligst dafür Sorge zu tragen hätte, das Seilproblem wieder zu lösen.
Merke: wer zunäxt theoretisch, mit viel Wort und Gestik an ein Problem heran geht, der findet zu Hauf Lösungen... theoretisch.
Nicht nur unsere Gesichter wurden immer länger, auch unsere Schatten, denn die Sonne wechselte in der Zwischenzeit deutlich ihren Stand.
Zuletzt setzte dann doch noch ein wenig der in der Höhe noch nicht ganz verloren gegangene Verstand wieder ein und murrend entwirrten wir unser "Spaghetti" Seil gemeinsam.
Tatsächlich kamen wir dann ohne weitere Komplikationen zu den Mischabelhütten und sogar noch zu unserem wohl verdienten Abendessen (2 Jahre zuvor war uns dies, wegen einer dezenten Verspätung, nicht mehr vergönnt gewesen)
Ein kleiner Nachtrag!
Vielleicht hat sich der eine oder andere aufmerksame Hikr-Leser schon mal gefragt, warum Ich soo häufig aus alten Zeiten berichte. Denn eigentlich sind meine "Tourenberichte" doch mehr Erlebnisbericht und dienen wenig bis gar nicht zur aktuellen Routenfindung.
Ehrlicherweise muss ich zugeben, das mein Geschreibsel auch ein wenig Eigentherapie beinhaltet bzw. ein hohes Maß an Erinnerungen an meinen Freund Reinhard, die ich mir hier durch bewahre
Besonders bei diesem aktuellen Bericht kamen jede Menge Gedanken auf, haben wir doch das Dürrenhorn an besagten Tage ausgelassen. Wahrscheinlich war es sogar die richtige Entscheidung, aber ungezählte Male habe ich mir später vorgestellt, wir wären doch weiter gegangen.
Möglicherweise wäre es dann nicht zu diesem fatalen Tag am 26. Juli 2003 gekommen! (siehe auch http://www.hikr.org/tour/post23049.html )
Aber leider können wir das Rad selbst der persönlichen Geschichten nicht zurück drehen.
Tourengänger:
WoPo1961
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