Fronalpstock 2124m – Odyssee an der Nordwand
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Ganz so ruhmreich und vielgewandt wie der Held der griechischen Mythologie sich nach Ithaka zurückkämpfte, haben wir uns an der Nordwand des Fronalpstocks nicht geschlagen. Und entsprechend dürfte dieses Lied, das hier geschrieben wird, auch nicht Jahrtausende überdauern und von Generationen als Pflichtlektüre gelesen werden. Lange haben wir überlegt und diskutiert, ob wir diese Tour überhaupt als Bericht posten sollen, zumal sie keine Ruhmtaten verkündet; im Gegenteil. Letztendlich stand aber fest: Gerade dass vieles anders als geplant, ja unglücklich verlaufen ist, sollte auch dokumentiert werden. Allfällige Aspiranten dieser Tour mögen dadurch vorgewarnt sein, dass sie zumindest uns nicht ganz so trivial und empfehlenswert erschienen ist.
Ab Ober Ruestel (1389m) nehmen wir um 08.00 Uhr morgens bis zur zweiten Kurve den Weg hoch zur Mittler Stafel, ausgerüstet mit Pickel, Steigeisen, Seil etc. Bei der Kurve im Osten verlassen wir den Weg und gehen möglichst ohne dabei auf- oder absteigen zu müssen nach Osten, dem Fusse des Fronalpstocks entlang. Wie sich bald herausstellt, sind wir arg früh unterwegs (zumindest für diese Tour). Ein Pfad lässt sich nirgendwo erkennen (dafür waren wir wohl einige Meter zu hoch am Traversieren, wenn ich nachträglich einen Blick aufs Luftbild werfe). Stattdessen wuchert das Unkraut und hütet das Wasser auf seinen überdimensionalen Blättern, um den Wanderer zur morgendlichen Stunde damit zu beglücken – die reinste Waschstrasse. Die Unterlage, auf die man tritt, muss mit den Schuhen schrittweise ertastet werden; mal sind’s Steine, dann wieder Erde, mal abschüssig, dann wieder flach, kaum einsehbar fürs Auge.
Die Traverse setzt sich fort, bis man den Ausläufer des schwach ausgeprägten Nordgrats hinter sich gelassen hat. Zu diesem Zeitpunkt machen wir beide bereits die unangenehme Erfahrung, dass unsere Bergschuhe, obgleich regelmässig imprägniert, der noch sehr feuchten Vegetation nicht standzuhalten vermögen – für mich das erste Mal! Alles in allem ist's bisher eher mühsam und unangenehm...
Etwas zu früh peilen wir die mit Schrofen durchsetzte Grasrampe an, die sich auf der Landkarte von Norden her hoch zum ‚C‘ von ‚Chrinen‘ zieht, und kommen dabei erstmals in den Genuss von Kraxelei im unteren dritten Grad. Diese Kraxelei wäre – so haben wir rückblickend (im wahrsten Sinne des Wortes) festgestellt – einfacher, wenn wir den Grat unten nicht von seiner Westseite angegangen wären. Der üppig bewachsene und äusserst feuchte Nordgrat führt hoch zur Nische, welche auch im SAC Alpinführer Glarner Alpen, Route 1052 beschrieben ist und von ossi in seinem Bericht dokumentiert ist. Vergebens halten wir Ausschau nach dem 10m hohen, engen Kamin, der gemäss Alpinführer den Zugang auf die breite, abschüssige Rasenflanke unter dem Gipfel eröffnet. Gemäss Abbildung der Route 1052 im Alpinführer müsste er rechts vom in der Nische noch vorhandenen Schneefeld hochgehen, doch finden wir dort keinen T6-Weg…
So folgen wir, am besagten Schneefeld vorbei, den Tierspuren und steigen linkshaltend (d. h. in Richtung NE-Grat) über eine steile Rampe hinauf, immer Ausschau haltend, irgendwann die Rampe rechts aufsteigend zu verlassen und auf die besagte Rasenflanke unter dem Gipfel zu gelangen.
Und mit diesem Versuch nimmt die Odyssee erst recht ihren Lauf. Ich steige an einer abschüssigen Stelle über ein Felsband zur besagten Rasenflanke auf. maesae verzichtet auf das ihm zu riskant erscheinende Unterfangen und gibt an, es weiter oben (südöstlich) zu versuchen, woraufhin ich - statt einigermassen bequem südwestlich auf der Rasenflanke aufzusteigen – einige Meter über dem senkrechten Felsband, unter dem sich maesae befindet, in sehr steilem Gelände parallel zur Rampe nach Südosten quere. Auch weiter oben verhindert das Felsband einen Zustieg von maesae zu mir, so dass wir uns entschliessen, getrennte Wege zu gehen. Noch einmal steige ich eine Felswand mit brüchigem Gestein an exponierter Stelle hoch und gelange so wieder auf die riesige Rasenflanke. An geeigneter Stelle steige ich dann aber wieder auf das Band hinab, auf dem ich maesae vermute, doch treffe ich ihn dort nicht an. Kein oranger Helm zu sehen, keine Antwort auf meine Rufe, und das Netz von Orange bietet mir keinen Empfang – typisch. Wie sich später herausstellen sollte, hat er zu tief unten zum Nordostgrat hinüber gequert. So folge ich dem kontinuierlich ansteigenden Band und gelange auf diesem Band zum Nordostgrat. Direkt auf dem Grat überwinde ich die letzten Meter hoch zur horizontalen Schulter des Gipfels und steige von dort auf dem Grat entlang hoch zum höchsten Punkt.
Mit dem Handy eines anderen Wanderers, der über den Normalweg aufgestiegen ist, erreiche ich maesae, erleichtert, dass er antwortet, in den Umständen entsprechend guter Verfassung ist und sich auf dem Weg hoch zum Gipfel befindet.
Abstieg über den Normalweg und ab ins Naturfreundehaus ‚Fronalpstock‘!
Die Fotos sind allesamt von maesae.
Persönliches Fazit: nasse, wenig reizvolle und nicht empfehlenswerte Route, deren Wegfindung schwierig und deren Wegführung nicht ganz logisch ist. Die Fronalpstock-Nordwand lässt viele Wege nach oben zu (einige davon habe ich ja ausgekundschaftet), doch überschreiten zumindest die von uns nicht ganz freiwillig gewählten das T6-Niveau. Mag sein, dass einige gerade darin den Reiz dieser T6-(Tor-)Tour erkennen, doch ziehen wir persönlich weniger nasse T6-Touren vor, da Nässe und T6 in unserem Fall ein unglückliches Gesamtpaket abgaben.
Die Bewertung T6+ und die angegebene Kletterschwierigkeit resultieren vor allem daraus, dass wir auf Irrwegen durch die Wand geschritten sind...
Ab Ober Ruestel (1389m) nehmen wir um 08.00 Uhr morgens bis zur zweiten Kurve den Weg hoch zur Mittler Stafel, ausgerüstet mit Pickel, Steigeisen, Seil etc. Bei der Kurve im Osten verlassen wir den Weg und gehen möglichst ohne dabei auf- oder absteigen zu müssen nach Osten, dem Fusse des Fronalpstocks entlang. Wie sich bald herausstellt, sind wir arg früh unterwegs (zumindest für diese Tour). Ein Pfad lässt sich nirgendwo erkennen (dafür waren wir wohl einige Meter zu hoch am Traversieren, wenn ich nachträglich einen Blick aufs Luftbild werfe). Stattdessen wuchert das Unkraut und hütet das Wasser auf seinen überdimensionalen Blättern, um den Wanderer zur morgendlichen Stunde damit zu beglücken – die reinste Waschstrasse. Die Unterlage, auf die man tritt, muss mit den Schuhen schrittweise ertastet werden; mal sind’s Steine, dann wieder Erde, mal abschüssig, dann wieder flach, kaum einsehbar fürs Auge.
Die Traverse setzt sich fort, bis man den Ausläufer des schwach ausgeprägten Nordgrats hinter sich gelassen hat. Zu diesem Zeitpunkt machen wir beide bereits die unangenehme Erfahrung, dass unsere Bergschuhe, obgleich regelmässig imprägniert, der noch sehr feuchten Vegetation nicht standzuhalten vermögen – für mich das erste Mal! Alles in allem ist's bisher eher mühsam und unangenehm...
Etwas zu früh peilen wir die mit Schrofen durchsetzte Grasrampe an, die sich auf der Landkarte von Norden her hoch zum ‚C‘ von ‚Chrinen‘ zieht, und kommen dabei erstmals in den Genuss von Kraxelei im unteren dritten Grad. Diese Kraxelei wäre – so haben wir rückblickend (im wahrsten Sinne des Wortes) festgestellt – einfacher, wenn wir den Grat unten nicht von seiner Westseite angegangen wären. Der üppig bewachsene und äusserst feuchte Nordgrat führt hoch zur Nische, welche auch im SAC Alpinführer Glarner Alpen, Route 1052 beschrieben ist und von ossi in seinem Bericht dokumentiert ist. Vergebens halten wir Ausschau nach dem 10m hohen, engen Kamin, der gemäss Alpinführer den Zugang auf die breite, abschüssige Rasenflanke unter dem Gipfel eröffnet. Gemäss Abbildung der Route 1052 im Alpinführer müsste er rechts vom in der Nische noch vorhandenen Schneefeld hochgehen, doch finden wir dort keinen T6-Weg…
So folgen wir, am besagten Schneefeld vorbei, den Tierspuren und steigen linkshaltend (d. h. in Richtung NE-Grat) über eine steile Rampe hinauf, immer Ausschau haltend, irgendwann die Rampe rechts aufsteigend zu verlassen und auf die besagte Rasenflanke unter dem Gipfel zu gelangen.
Und mit diesem Versuch nimmt die Odyssee erst recht ihren Lauf. Ich steige an einer abschüssigen Stelle über ein Felsband zur besagten Rasenflanke auf. maesae verzichtet auf das ihm zu riskant erscheinende Unterfangen und gibt an, es weiter oben (südöstlich) zu versuchen, woraufhin ich - statt einigermassen bequem südwestlich auf der Rasenflanke aufzusteigen – einige Meter über dem senkrechten Felsband, unter dem sich maesae befindet, in sehr steilem Gelände parallel zur Rampe nach Südosten quere. Auch weiter oben verhindert das Felsband einen Zustieg von maesae zu mir, so dass wir uns entschliessen, getrennte Wege zu gehen. Noch einmal steige ich eine Felswand mit brüchigem Gestein an exponierter Stelle hoch und gelange so wieder auf die riesige Rasenflanke. An geeigneter Stelle steige ich dann aber wieder auf das Band hinab, auf dem ich maesae vermute, doch treffe ich ihn dort nicht an. Kein oranger Helm zu sehen, keine Antwort auf meine Rufe, und das Netz von Orange bietet mir keinen Empfang – typisch. Wie sich später herausstellen sollte, hat er zu tief unten zum Nordostgrat hinüber gequert. So folge ich dem kontinuierlich ansteigenden Band und gelange auf diesem Band zum Nordostgrat. Direkt auf dem Grat überwinde ich die letzten Meter hoch zur horizontalen Schulter des Gipfels und steige von dort auf dem Grat entlang hoch zum höchsten Punkt.
Mit dem Handy eines anderen Wanderers, der über den Normalweg aufgestiegen ist, erreiche ich maesae, erleichtert, dass er antwortet, in den Umständen entsprechend guter Verfassung ist und sich auf dem Weg hoch zum Gipfel befindet.
Abstieg über den Normalweg und ab ins Naturfreundehaus ‚Fronalpstock‘!
Die Fotos sind allesamt von maesae.
Persönliches Fazit: nasse, wenig reizvolle und nicht empfehlenswerte Route, deren Wegfindung schwierig und deren Wegführung nicht ganz logisch ist. Die Fronalpstock-Nordwand lässt viele Wege nach oben zu (einige davon habe ich ja ausgekundschaftet), doch überschreiten zumindest die von uns nicht ganz freiwillig gewählten das T6-Niveau. Mag sein, dass einige gerade darin den Reiz dieser T6-(Tor-)Tour erkennen, doch ziehen wir persönlich weniger nasse T6-Touren vor, da Nässe und T6 in unserem Fall ein unglückliches Gesamtpaket abgaben.
Die Bewertung T6+ und die angegebene Kletterschwierigkeit resultieren vor allem daraus, dass wir auf Irrwegen durch die Wand geschritten sind...
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