Heute stimmte einfach alles für die schon lange geplante Begehung der Bisse du Ro. bidi35 und laponia41 fanden einen gemeisamen Termin, es herrschte prächtigstes Wetter, Heinz hatte sich von seiner Sommergrippe erholt. Gemeinsam reisten wir nach Montana, ich fuhr hinauf zur Cabane des Violettes und wanderte hinüber zur Cry d'Er, Heinz gondelte mit der Bahn direkt hinauf zum Ausgangspunkt unserer Tour.
Da musste natürlich zuerst die Aussicht auf die Gipfel der Walliser Alpen bewundert werden. Faszinierend für uns Suonen-Fans auch der Blick hinüber zum Lac de Tseuzier, wo wir den Verlauf der Bisse de Sion und der Bisse d'Ayent ausmachten. Und dann vor dem eigentlichen Start das Wichtigste: das Gruppenfoto dieses denkwürdigen Hikr-Anlasses. bidi35 und laponia41 startbereit!
Im Abstieg nach Er de Lens ging es gleich zur Sache. Zwei Felsstufen und einige steile Geröllrunsen waren zu bewältigen. Wir schätzten die Schwierigkeit auf T3 und merkten, dass wir Anciens nicht mehr täglich in solchem Gelände unterwegs sind. Originell dann unten im Talgrund die Überquerung des Baches Ertentse. Mit Leitern muss auf einen Block hinauf und wieder hinuntergestiegen werden.
Zwei Dinge interessierten uns dann sehr:
1) Wo befand sich wohl die Schöpfe der Ancien Bisse du Ro?
2) Wo befindet sich die heutige Schöpfe, die das Wasser in den 1947 gebauten Tunnel führt?
Die Anciens sind in solchen Sachen hartnäckig. Wir fanden auf beide Fragen plausible Antworten.
Mittagsrast bei der Brücke Pt. 1733. Unten am Bachbett fanden wir Schatten und gute Sitzgelegenheit. Heinz entdeckte plötzlich ca. 50 Meter oberhalb Betontrümmer, wir stiegen hinauf und standen vermutlich vor den Überresten der einstigen Schöpfe. Rätsel gab uns ein verrosteter Behälter auf, der einer Bombe aus dem 2. Weltkrieg ähnlich sah.
Nach der Rast ging es auf dem Hüterweg der Ancien Bisse du Ro zügig weiter. Das Tal der Ertentse lag schon sehr tief unter uns. Wir blickten hinüber zu den Felsen, die den Talkessel abschliessen und rätselten über Bauten unterhalb Pt. 1662. Das ausgefahrene Zoom meiner Kamera sieht mehr als meine Augen: zu Hause entpuppten sich die Bauten in der Vergrösserung als die gesuchte Schöpfe. Siehe Foto.
Was dann kam, liess uns einmal mehr erstaunen. Für routinierte Berggänger ist es überhaupt kein Problem, die senkrechten Felsen und die steilen Geröllrunsen zu passieren. Man kann es nur geniessen. Aber die Menschen, die am Ende des 14. Jahrhunderts in diesem extremen Gelände diese Bisse gebaut und dann über Jahrhunderte unterhalten haben. Was für Kräfte müssen in unseren Vorfahren gesteckt haben. Da ging es um die nackte Existenz. Und wir verweichlichten Wohlstandmenschen verbringen unsere Zeit mit andauerndem Jammern über irgendwelche Probleme.
Natürlich wäre es noch spannender an der Bisse du Ro, wenn Wasser fliessen würde. Ich bin nun aber konsequent und fange nicht auch noch an mit Jammern. Es war ein traumhaft schöner Tag, die Anciens fühlten sich jung und spürten ihre Gebresten an Knien, Hüften und Schultern erst, als sie wieder auf asphaltierten Strassen standen.
Rückblickend können wir nur sagen: Ä gschänkte Tag!
Link zum Inventar siehe hier!
Bericht und Fotos von bidi35 siehe hier!
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