Große Zinne 2999m - Drei Teufelskerle


Publiziert von georgb , 21. März 2025 um 10:26.

Region: Welt » Italien » Venetien
Tour Datum:30 September 2023
Wandern Schwierigkeit: T6 - schwieriges Alpinwandern
Klettern Schwierigkeit: III (UIAA-Skala)
Wegpunkte:
Geo-Tags: I 
Zeitbedarf: 8:00
Aufstieg: 900 m
Abstieg: 900 m

Ganz überraschend hat sich Kollege Dandl von Hikr zurückgezogen und seine Homepage samt aller Tourenberichte gelöscht!? Darunter auch seinen Bericht über eine gemeinsame Bergtour: "Große Zinne - Zwei Kletterer und ein Teufelskerl". Damit ist sie auch aus meinem Hikr-Tourenjournal und digitalem Gipfelbuch gelöscht und ich muss sie mir wieder zusammenreimen, soweit ich mich erinnern kann.
Es war keine alltägliche Bergtour, sondern ein Höhepunkt für jeden Bergsteiger, die Große Zinne, allein der Name!!! Ich kann mich nicht mehr an alle Details erinnern, doch die Emotionen bleiben unvergessen.
Als mir Dandl vorschlägt, ihn und seinen Sohn zu begleiten, bin ich geehrt und zögere keine Sekunde. Mit zwei solchen "Teufelskerlen" auf die Große Zinne, herrlich. Nebenbei ist die Tour auf die Zinne ein bergsteigerischer Leckerbissen, auch wenn sie gelegentlich arg überlaufen ist.
Wir starten natürlich sehr früh, sind schon vor dem größten Andrang am Einstieg und klettern in aller Ruhe los. Die ersten 2er Wände steigen wir frei, erst nach der 3. Scharte nimmt Dandl seinen Sohn ans Seil, ab hier wirds knackig mit Stellen bis III.
Trotz der vielen Begehungen ist die Orientierung nicht ganz banal, es gibt ein paar Varianten bis wir in Sichtweite der Schlüsselstelle kommen, dem legendären Kamin. Angeblich geht es hier bis an den unteren 4. Grad, aber wenn man geschickt spreizt kommt man gut durch, auch wenn der Fels recht abgespeckt ist.
Es geht anspruchsvoll weiter, im II/IIIer Gelände bis aufs Ringband. Ein gutes Stück Gehgelände westwärts und dann kommt das Finale. Nettes Kraxelgelände bis III, nur die griffarme Querung am "Bösen Block" nervt ein wenig.
Dann stehen wir auch schon am Gipfel, ich bin begeistert, drei Teufelskerle und die Große Zinne, herrlich. Auch wenn es höhere und schwierigere Dolomitengipfel gibt, ist die Zinne immer noch das Nonplusultra, ein Muss! Heute, bei meinem zweitenmal noch schöner und dazu free solo.
Der Abstieg ist schnell erzählt, wir folgen einer ladinischen 4er Seilschaft und machen es ihnen einfach nach. Der lange Abseiler parallel zum Kamin ist mit unserem 60er Seil suboptimal, weil ein Zwischenstand ziemlich eng und unbequem liegt. Besser fährt man mit zwei Halbseilen, so kann man den unangenehmen Stand "überspringen".
Trotzdem kommen wir ohne Zwischenfälle an die alternative, westseitige Abstiegsroute und bald darauf ist das Unternehmen Große Zinne beendet. Viel zu früh, da kommt uns ein Gedanke in den Sinn: Warum nicht die Umrundung anhängen!? Dandl trägt das Seil um die Drei Zinnen herum, wie es sich für einen richtigen Bergsteiger gehört ;-)
Am Paternsattel wimmelt es noch von Spaziergängern, doch auf dem Felsensteig unter den Nordwänden sind wir beinahe allein. Die Langalm lassen wir aus und steigen weiter westseitig um die Zinnen herum zurück zur Auronzohütte.
Mission accomplished, es fehlt nur noch der Einkehrschwung. Auch das ist ein besonderes Erlebnis, Cappuccino im Pappbecher und Biertischgarnituren mit Plastiktischdecken? Das wird dem Erlebnis Große Zinne eigentlich nicht gerecht, gehört aber irgendwie auch dazu und ist beinahe Kult!
Die drei Teufelskerle ziehen sich zurück, ein Tag für die Geschichtsbücher, unlöschbar!? ins Gedächtnis eingeprägt.

Tourengänger: georgb


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