UNESCO-Welterbe in Kolumbien - Expedition in der Sierra de Santa Marta
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Am 16. Februar hatte ich den Pico Bolívar in Venezuela bestiegen. Damals galt das noch als ein 5000er, heute wird er mit 4981 m gehandelt. Nicht wirklich eine grosse Sache (T4, ZS, III), die Seilbahn ab Merida war noch in Betrieb und brachte einen auf den 4765 m hohen Pico Espejo hinauf. Von da aus war der Gipfel in ein paar Stunden zu machen.
Der Pico Simón Bolívar (5775 m) in der Sierra de Santa Marta würde, obwohl technisch einfacher, eine ganz andere Herausforderung sein. Nicht zuletzt wegen der schieren Weite und Unzugänglichkeit der Gegend.
Die Sierra de Santa Marta steigt innerhalb von etwa 45 km von der Küste auf über 5700 m an und gilt deshalb als höchstes Küstengebirge weltweit.
Gestartet bin ich in Valledupar. Obwohl es die liebe Adela hier - wohl aus beruflichen Gründen - anders sieht: in Valledupar möchte man nicht einmal begraben sein. Dass dieses heisse, staubige Loch, wie im Text erwähnt, das tropisch-üppige Macondo von Marquez' "Hundert Jahre Einsamkeit" sein soll, will einem nicht einleuchten.
Immerhin konnte ich mir hier ein Empfehlungsschreiben organisieren, das mich zum Bezug eines Passagierscheins in San Sebastian de Rábago/Nabusimake berechtigte. Später ging das nicht mehr, das ganze Gebiet des Nationalparks war gesperrt. Im Norden wegen der Guerilla und dem Drogenanbau, im Süden wegen den Indigenos (Eingeborene). Noch heute soll es nicht möglich sein, von ihnen ein Zugangs-Permit zu bekommen.
In den Tropen wird das Klima weitgehend von der Höhe bestimmt. Nabusimake liegt auf gut 2000 m in einer lieblichen Gegend mit Wiesen, Bäumen und Bächen - es könnte ebensogut in Appenzell sein. Es wird neuerdings als Touristenziel hoch gelobt, siehe zB. hier. Für mich war es nur ein Indianerdorf in einer netten Gegend.
Mein Kontaktmann führte dort eine Art Laden. Er hat mir einen Führer mit Maultier organisiert. Ohne solchen ging es nicht. Sie wollen schliesslich auch etwas verdienen.
Die erste Nacht konnte ich bei ihm schlafen, was heisst, dass ich Matte und Schlafsack in einem überdachte Verschlag ausbreiten durfte.
Der Abend artete in ein widerliches Besäufnis aus. Obwohl ich wusste, dass mir das Gebräu aus billigstem Zuckerrohrschnaps mit Anisgeschmack nicht bekam, brachte immer wieder einer einen Toast aus. Worauf eine neue Runde eingeschenkt wurde ..
Nett war allerdings die junge Ärztin, mit der man mich verkuppeln wollte. Damals mussten in Kolumbien Ärzte ein längeres Praktikum in einer unterversorgten Gegend machen, bevor sie praktizieren durften; von dieser sinnvollen Regelung könnte sich die Schweiz eine Scheibe abschneiden!
Dann gings zu Fuss los. Es ging stundenlang über Hochebenen oder eher sanfte Pässe. Man ist im Paramó unterwegs, einer Landschaft mit einem eigenartigen Charme. Geprägt ist sie vom Wasserreichtum, es hat Moore, Seen und eine karge, einzigartige Vegetation, dominiert von mächtigen "Frailejones".
Wir kamen recht gut vorwärts, die nächste Nacht verbrachten wir im einzigen "Haus" weit und breit in Duriameina (ca. 3400 m). Was ich damals nicht wusste: Das Plateau dort bildet die Wasserscheide zwischen dem Magdalenenstrom im Westen und dem Grabenbruch im Osten.
Am andern Morgen näherten wir uns den Gipfeln noch auf etwa 12 km Luftline (ca. 10° 41' / -73° 40'; 4000 m).
Dann musste ich aufgeben.
Der Grund war ebenso lästig wie ärgerlich: Ein paar Tage vorher hatte mich irgend ein Biest in die rechte Hand gebissen oder gestochen. Das war soweit nichts besonderes - ich bekam es mit Wanzen, Zecken, Sandflöhen und jeder Art Moskitos zu tun. Aber dieses Mal war es anders: Je höher wir kamen, umso dicker wurde die Hand. Als ich aufgab, war das nur noch ein Klumpen, der sich verdächtig verfärbte.
Dann musste ich aufgeben.
Der Grund war ebenso lästig wie ärgerlich: Ein paar Tage vorher hatte mich irgend ein Biest in die rechte Hand gebissen oder gestochen. Das war soweit nichts besonderes - ich bekam es mit Wanzen, Zecken, Sandflöhen und jeder Art Moskitos zu tun. Aber dieses Mal war es anders: Je höher wir kamen, umso dicker wurde die Hand. Als ich aufgab, war das nur noch ein Klumpen, der sich verdächtig verfärbte.
Es fiel mir schwer, aber wir mussten zurück. Und zwar so schnell wie möglich. Übrigens: Zurück in der Hitze des Flachlandes heilte die Wunde nach ein paar Tagen "süderen" von selber ab.
Technisch wäre die Besteigung des Pico Simón Bolívar vermutlich recht einfach, die Südostflanke ist nicht unheimlich steil und mittlerweile sogar weitgehend eisfrei.
Technisch wäre die Besteigung des Pico Simón Bolívar vermutlich recht einfach, die Südostflanke ist nicht unheimlich steil und mittlerweile sogar weitgehend eisfrei.
In der Liste der UNESCO-Welterbe in Kolumbien werden die Nationalparks der Sierra Nevada de Santa Marta gleich zwei Mal (1993 und 2012) in der sogenannten Tentativliste aufgeführt.
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